Dienstag, 15 Oktober 2019

Landschaft-Kunstwerk-Friedhof

Johannisfriedhof und Urnenhain Dresden Tolkewitz

Es ist unbestritten, dass der Friedhof ein Ort mit einer besonderen Aura ist. Für einige Friedhöfe gilt das aber in ganz besonderer Weise. Sie sind Kulturlandschaften mit beeindruckenden Zeugnissen von Garten- und Baukunst. In der Serie „Landschaft-Kunstwerk-Friedhof“ möchte ich ihnen einige der schönsten und interessantesten dieser Friedhöfe vorstellen.

Wenn sie als Besucher durch das eindrucksvolle Hauptportal den Ev.-Luth. Johannisfriedhof betreten, erschießt sich Ihnen sofort, warum eine Expertenjury diesen Friedhof 2011 zum schönsten Friedhof Deutschlands wählte. Die repräsentative Trauerhalle an der Hauptachse des Friedhofs wurde durch den renommierten Reichtags-Architekten Paul Wallot entworfen. Dahinter erschließt sich ein Andachtsplatz und ein klar gegliedertes Netz aus grün gesäumten Wegen.

Wer sich die Zeit nimmt die Wege abzuschreiten wird mit einer Schau an kulturhistorisch und künstlerisch bedeutsamen Grabmalen aus der Zeit um 1900 belohnt, die in ihrer Dichte in Deutschland einzigartig ist. Nicht nur an den Einfassungsmauern und Alleen, sondern auf ganzen Begräbnisfeldern liegen die Grabstellen, überspannt vom alten Baumbestand des Friedhofs. Prachtvolle Erbbegräbnisse im Jugendstil und insbesondere der frühen Reformbewegung um 1910 prägen das Bild. Geschuldet ist der reiche Bestand der Tatsache, dass hier anders, als in vielen deutschen Großstädten, die Eigentumsverhältnisse der Erbbegräbnisse über die Zeiten unangetastet blieben, so dass es nicht zu großflächigen Beräumungen von Grabfeldern kam.

Die Entstehungsgeschichte des Friedhofs geht bis auf das Jahr 1875 zurück, als die Stadt die ersten Parzellen Land im Tolkewitzer Tännicht für einen neuen Friedhof erwirbt, der die aufgegebenen Friedhöfe aus drei evangelischen Kirchgemeinden ersetzen soll. Die erste Beisetzung ist dann auf 17. Juli 1881 datiert, nachdem der Friedhof im Mai des gleichen Jahres eingeweiht wurde.

Während die Gestaltung der Grabanlagen etwas über das Selbstverständnis der hier Begrabenen Bürger sagt, geben die Inschriften, Daten und Namen Auskunft über die Stadtgeschichte, über herausragende Lebensleitungen aber auch über leidvolle Zeiten. Bekannte Persönlichkeiten wie Heinz Knobloch (Schriftsteller), Friedrich Wilhem Pfotenhauer (Oberbürgermeister) und Felix Schweighofer (Schauspieler) und Vertreter des wohlhabenden Bürgertums wie Carl Eschebach (Küchenmöbelhersteller), Ewald Bellingrath (Begründer der Kettenschifffahrt auf der Elbe) und Heinrich Ernemann (Erfinder in der Foto- und Kinogeräteindustrie) der Stadt fanden hier, in sehr repräsentativen Grabstätten, ihre letzte Ruhe. Renommierte Künstler wie Robert Diez, Max Klinger, Selmar Werner oder Paul Wallot haben mit ihrer Bildhauerkunst und ihren Architekturentwürfen das Gesicht eines der schönsten Friedhöfe Deutschlands geprägt. Ab 1917 wurden im westlichen Teil des Friedhofes Sonderflächen zum Gedenken an Kriegsopfer und Opfer politischer Willkür angelegt. In der 5. Grababteilung findet man die Ruhestätten für die Opfer des Kapp-Putsches 1920, der Zwangsarbeiterschaft 1943-1945 und der stalinistischen Justiz. Im angrenzenden Waldstück im nördlichen Teil des Friedhofs fanden über 3360 zivile Opfer der Bombardierung Dresdens am 13. Februar 1945 ihre letzte Ruhstätte.

Dieser Reichtum an denkmalwürdigen Grabstätten will aber auch Erhalten werden. So entgehen dem interessierten Besucher nicht die kleinen Schilder „Grabpaten gesucht“ an so mancher Grabstätte, die noch der Sanierung harrt.

Empfohlen sei die kleine Publikationsreihe „Steine erzählen Geschichte(n)“ in der ausgewählte Grabmale und deren Schöpfer vorgestellt werden. Sie können diese direkt auf der Webseite der Friedhofsverwaltung bestellen.

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Ev.-Luth. Johannisfriedhof Dresden-Tolkewitz: https://www.johannisfriedhof-dresden.de

Information zu Grabpatenschaften: https://www.grabpatenschaft-dresden.de/